Wenn Mami oder Papi krank ist

Auf der Suche nach neuer Sicherheit

Eine schwere Krankheit belastet die gesamte Familie, ist mit Angst und Scham verbunden. Rollen verändern sich, im Familiensystem tun sich Lücken auf. Kinder leiden besonders darunter. Zum siebten Mal organisiert das Rittner Bildungszentrum Haus der Familie im Mai 2021 in Zusammenarbeit mit 25 Südtiroler Organisationen die Sensibilisierungskampagne MutterNacht. Dabei werden immer herausfordernde Themen rund um das Elternsein beleuchtet. Dieses Jahr geht es um den Umgang Erwachsener mit der eigenen Krankheit, um die Unterstützung der Partnerin oder des Partners, um die Reaktion der Kinder, um Chancen und Möglichkeiten. Die Aktionswoche besteht aus vier Teilen: einer Kunstinstallation in vier Südtiroler Ortschaften (Bruneck am 3. Mai, Sterzing am 5. Mai, Schlanders am 6. Mai, Bozen am 8. Mai), einem digitalen Fachseminar mit international renommierten Referentinnen am 7. Mai, einem Aktionstag am 8. Mai und einem Buch mit 15 Geschichten von Betroffenen. Finanziert und getragen wird die Sensibilisierungskampagne von der Familienagentur des Landes Südtirol.

Diese Kunstinstallation wird im Rahmen der Sensibilisierungskampagne MutterNacht auf markanten Plätzen am Montag, 3. Mai in Bruneck, am Mittwoch, 5. Mai in Sterzing, am Donnerstag, 6. Mai in Schlanders und am Samstag, 8. Mai in Bozen aufgebaut.

Wird ein Elternteil krank, sind alle Familienmitglieder betroffen. Da sind nicht nur Schmerz, Angst und Ungewissheit zu bewältigen, da gilt es vor allem auch, entstehende Löcher im Alltag zu stopfen, neue Absprachen zu treffen, externe Hilfe zu organisieren und angebotene Unterstützung anzunehmen. Eingespielte Abläufe sind nicht mehr, Unsicherheiten tun sich auf. Diese Gedanken haben die Künstlerin Astrid Gärber zur Idee eines Irrgartens bewogen. Die Kunstinstallation wird im Rahmen der Sensibilisierungskampagne MutterNacht auf markanten Plätzen am Montag, 3. Mai in Bruneck, am Mittwoch, 5. Mai in Sterzing, am Donnerstag, 6. Mai in Schlanders und am Samstag, 8. Mai in Bozen aufgebaut. Vorbeigehende Menschen werden eingeladen, den Irrgarten zu durchlaufen, hören dabei Stimmen von Kindern, die von der Krankheit eines Elternteils erzählen und erfahren vor dem Irrgarten Auszüge aus Geschichten aus dem Buch zur heurigen MutterNacht von betroffenen Familien – von Erwachsenen genauso wie von Kindern und Jugendlichen.

Kinder schwer kranker Erwachsener sind großen Belastungen ausgesetzt. Sie müssen sich früher und intensiver als andere Gleichaltrige mit Krankheit und Tod befassen, mit der Angst um die Mutter oder den Vater zurechtkommen und die Eltern manchmal mit versorgen. Sie verzichten auf Alltägliches wie gemeinsame Vorhaben, tragen mehr Verantwortung und können bei der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme nicht auf die Unterstützung beider Eltern zählen. Welche Konzepte im In- und Ausland in solchen Fällen greifen und wie Fachleute pflegende Angehörige unterstützen können, wird bei einem Online-Fachseminar am Freitag, 7. Mai beleuchtet. Tanja Zimmermann ist Professorin für Psychosomatik und Psychotherapie mit Schwerpunkt Transplantationsmedizin und Onkologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie erklärt, wie Krankheit Beziehung prägt. Wie umgehen, wenn die Pflege einer kranken Person belastend wird? Auf diese Frage sucht die klinische Psychologin und Psychotherapeutin Chiara Adriana Ripamonti Antworten. Elisabeth Groß ist Geschäftsführerin der "Dorfhelferinnen Sölden". Sie berichtet, wie örtliche Unterstützung aussehen kann. Stefania Buoni ist Autorin, Mitgründerin und Präsidentin des Vereins "Children of Menthality ill Parents". Sie zeigt auf, wie Kinder psychisch kranker Eltern gestärkt werden können. Unter das Motto "Wahrheit braucht Mut" stellt die Psychotherapeutin und Psychoonkologin Bianca Senf ihren Vortrag. Bei einer abschließenden Podiumsdiskussion beleuchten die Landesrätin für Soziales Waltraud Deeg, die Koordinatorin der Fachstelle Familie beim Forum Prävention Christa Ladurner, Manuela Ortner, die Verantwortliche im Bereich Familie und Minderjährige des Sozialsprengels Vinschgau und Sabine Krismer, stellvertretende Amtsdirektorin beim Amt für Kinder- und Jugendschutz die Lage in Südtirol. Die Projektleiterin der Sensibilisierungskampagne MutterNacht, Astrid Di Bella, moderiert das Online-Fachseminar samt Diskussion. Anmeldung über www.hdf.it

Erkrankte sorgen sich häufig mehr um ihre Familienmitglieder als um sich selbst. Diese Ängste vergrößern sich, wenn sie nicht ausgesprochen werden. Partnerschaften werden enorm belastet. Angehörige sind auf die Aufgaben und Belastungen nicht vorbereitet, die bei der Betreuung erwachsener PatientInnen auf sie zukommen. Dem wird beim Aktionstag am Samstag, 8. Mai im Rahmen von Diskussionen auf öffentlichem Platz am Rathausplatz in Bozen (alternativ online) Rechnung getragen. Dabei diskutieren Mütter, Väter und Jugendliche mit Fachleuten über ihre Erfahrungen, über Chaos, Trauer, über Chancen und Möglichkeiten.

Das Netzwerk MutterNacht hat das Thema vor Monaten öffentlich gemacht und betroffene Eltern und Kinder eingeladen, Texte, Bilder und Fotos einzureichen. 14 berührende Geschichten sind eingegangen. Sie handeln von Familien, in denen Mutter oder Vater wieder gesund geworden sind, in denen Kinder ohne ein Elternteil zurechtkommen müssen, in denen psychische Erkrankungen lebensbegleitend wurden. Die Geschichten wurden in einem Buch gebündelt. Dieses ist im Haus der Familie und bei den NetzwerkpartnerInnen erhältlich. Es wird beim Aktionstag am 8. Mai vorgestellt.

Finanziell unterstützt wird die Sensibilisierungskampagne MutterNacht von der Familienagentur des Landes Südtirol.

VOX News Südtirol / nb