Die gesellschaftspolitische Debatte um 5G (Teil 1)

Die Einführung der neuen Funktechnologie 5G ist derzeit in aller Munde und steht unmittelbar bevor. Den kolportierten Vorteilen in Sachen Geschwindigkeit steht eine ausgeprägte Strahlenbelastung entgegen, da die Technologie ohne zusätzliche Sender nicht auskommt. Befürworter und Kritiker sind sich lediglich in zwei Punkten einig: 5G wird kommen, deren Auswirkung auf die Bevölkerung aber ist derzeit nicht absehbar. Die Werbung suggeriert den Bürgern seit jeher ansprechende Dienste. Smart-TV‘s, 4k-Streaming, Smart-Home, Personal-Assistent, um einige zu nennen, unterhalten und steigern den Komfort. Doch kommen diese Dienste nicht ohne entsprechende Datenraten aus. Mit 5G sollen ebendiese flächendeckend bis atemberaubenden 10 Gbit erreicht werden. Der Übergang zur 5. Generation des Mobilfunks beschränkt sich nicht restriktiv auf Geschwindigkeit, er ist größer, erheblicher. Mit einer zehnfachen (!) Steigerung in Sachen Performance soll diese Technologie die Grundlage verschiedener Zukunftstechniken markieren und setzt somit einen neuen Standard. Man spricht vom „Internet der Dinge“. 5G punktet neben der erhöhten Datenrate auch in Sachen Zuverlässigkeit, Latenz und Virtualisierung. Diese Vorteile lassen sich nicht von der Hand weisen und sind zweifelsohne eine beeindruckende Errungenschaft technologischen Fortschritts. #1 Wirtschaftliche Interessen – Suggestion des Verbrauchers Da neuartige digitale Dienste nicht ohne hohe Datenraten auskommen, muss, um diese auch anbieten zu können, eine dedizierte Technologie breitflächig bestehen. Ein wirtschaftliches Verhalten der Großunternehmen ist für deren Fortbestehen unabdingbar. Demzufolge finden sich Befürworter von 5G sowohl im Wirtschaftssegment wie auch in der breiten Bevölkerung, da diese nicht ohne die neuen Dienste auskommen möchte. Es handelt sich dabei um eine Art Push-Pull-Strategie: es wird ein Bewusstsein für ein noch nicht bestehendes Produkt geschaffen, dessen Nutzung lediglich über die Einführung neuer Technologien führt. Das Interesse des Verbrauchers wird somit durch Suggestion erst geschaffen. Mit anderen Worten: Dem Kunden wird ein Produkt schmackhaft gemacht, das ihm ohne die neue Technologie vorenthalten würde. Die damit einhergehenden, gesundheitlichen Bedenken werden zu Gunsten der wirtschaftlichen Interessen weitgehend ausgeklammert.

Das Interesse des Verbrauchers wird durch Suggestion erst geschaffen

#2 Notwendigkeit versus Status quo Die Erfordernisse unserer Gesellschaft richten sich nach absoluter Erreichbarkeit und vollständiger Vernetzung. Ein gut ausgebautes Breitbandnetz ist sowohl urban wie peripher von großer Wichtigkeit und darf aus zahlreichen Gründen nicht vernachlässigt werden. Mit dem (künftigen) Ausbau der Glasfaser-Technologie haben wir, mittlerweile auch in der Provinz, ein solides Gerüst wirtschaftlicher Anbindung und Wahrung beruflicher sowie privater Interessen. Dieser Technologie sollte aufgrund ihrer Unbedenklichkeit wesentlich mehr Raum zuerkannt werden. Ein Kritikpunkt besteht in der Maßlosigkeit sich überschneidenden Funktechnologien. Mit Smartphones (2G, 3G, 4G, Wlan/Hotspot), Wlan–Routern, benachbarten Wlan-Signalen und Schnurlos-Telefonen finden sich mehrere Kommunikationsmethoden, die teilweise denselben Dienst verrichten und dabei zusätzlich Strahlung absondern. Öffentliche Plätze, Geschäfte, Gastlokale und sogar Kinderspielplätze, sind seit langem mit "Free-Wifi" übersäht. Da in den Haushalten weitere technische Geräte, wie Babyphone‘s, Miracast-Verbindungen, Bluetooth–Kopfhörer, Smart-TV‘s, Smart-Home, Funkzähler, Alarmanlagen, Videosysteme usw. installiert sind, besteht im durchschnittlichen Haushalt bereits heute ein beträchtliches Maß an elektromagnetischen Emissionen. Hinzu kommen die aus Sicherheitsgründen mit Funkalarm ausgestatteten Kindersitze (dispositivi anti-abbandono). Ein zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch bestehender Vorteil ist es, durch gezielte Maßnahmen, die Nutzung der Endgeräte gezielt einsetzen bzw. darauf verzichten zu können. Mit 5G erreichen wir allerdings eine neue Dimension an Exposition der Bevölkerung. Und diese wird wohl unausweichlich. #3 Proband Mensch: Exposition der Gesellschaft Ein Umstand gilt als gesichert: die 5G-Technologie wird die Strahlenbelastung europaweit deutlich erhöhen. In Italien wurden im Jahr 2018 die für 5G vorgesehenen Frequenzen 26 GHZ und 3,7 GHZ versteigert. Dieser Versteigerung hängt jedoch ein diskussionswürdiger Makel an, da die Regierung es verabsäumt hat, das gesetzlich verpflichtende hygienisch-sanitäre Gutachten (parere sanitario) anzufordern[1]. In Deutschland hat die Deutsche Telekom bereits 2018 ein Testnetz eingerichtet (3,7 GHz) und erreicht dort Geschwindigkeiten um 2 Gbit pro Sekunde, die Reichweite liegt dort bei etwa 400 Metern[2]. In dicht besiedelten Flächen werden grundsätzlich Frequenzen im Bereich von 26 Ghz in Betrieb genommen. Diese ermöglichen hohe Datenraten, jedoch wesentlich kürzere Reichweiten und können Fenster und Mauerwerk nur schwer durchdringen. Daher ist mit einem wesentlichen Ausbau des Sendenetzes zu rechnen, innert dessen ein Entkommen faktisch unmöglich ist. Kritiker sprechen hier von Sendern an jeder dritten Straßenlaterne. Bedenklich ist nicht allein der Ausbau der Sendemasten an sich, problematisch wird die Situation insbesondere durch die Empfangsgeräte selbst, da ebendiese einen bedeutenden Teil der Strahlung auslösen. Erschwerend gestaltet sich die Weiterleitung der Signale durch intelligente Geräte, wie selbstfahrende Fahrzeuge oder anderen Empfänger. Da Langzeitstudien erst parallel zur Einführung neuer Technologien entstehen, dient der Mensch somit, bedingt durch ununterbrochene Exposition, als indirekter Proband in einer gesellschaftlich unausweichbaren Unbedenklichkeitsstudie.

Der Mensch dient als indirekter Proband in einer gesellschaftlich unausweichbaren Unbedenklichkeitsstudie

#4 Elektrosmog und SAR  Unter Elektrosmog versteht man die Gesamtheit von künstlich erzeugter, nicht ionisierender Strahlung. Ausgenommen davon sind Wärmestrahlung und sichtbares Licht (mit Ausnahme der UV-Strahlung). Das Bestehen und deren Wirkung der elektromagnetischen Strahlung ist unbestritten[3]. Gemeinhin bekannt ist die spezifische Absorptionsrate(SAR). Dabei handelt es sich um das Maß an Absorption von elektromagnetischen Feldern in einem Material, wie dem menschlichen Gewebe. Die Strahlung führt zur Erwärmung des Gewebes. Die Grenzwerte bei Smartphones liegen in Italien und Deutschland bei 2Watt/kg, in den USA interessanterweise bei 1,6 Watt/kg, in Indien bei 1 Watt/kg. #5 Die Sache mit den Grenzwerten Diese bei Experten umstrittenen Grenzwerte sind nach Angaben verschiedener Institutionen ausreichend und sollen vor gefährlicher Erwärmung des Gewebes schützen. Die wesentliche Frage lautet aber: ist die von der Strahlung ausgehende Erwärmung der einzige Aspekt, der für eine Unbedenklichkeit in Betracht gezogen werden muss? Die Antwort lautet nein. Die Argumentation, wonach die Erwärmung des Gewebes die einzig mögliche Auswirkung der Strahlung ist, gilt als überholt und kann als Scheinargument eingestuft werden. Es gilt als erwiesen, dass elektromagnetische Felder (sog. EMF’s) oxidativen Stress in biologischen Organismen erzeugen und eine nachhaltige Schädigung der DNA hervorrufen können.[4][5] Der SAR-Wert aber orientiert sich ausschließlich an der thermischen Wirkung und umfasst somit nicht das gesamte Gefahrenspektrum um eine Unbedenklichkeit bescheinigen zu können. Neben der thermischen besteht somit die athermische Strahlenwirkungen, deren Auswirkung meist verschwiegen oder als Scharlatanerie abgekanzelt wird. Für dessen Bestehen und schädliche Wirkung sprechen aussagekräftige Studien[6][7]. Der strahlenbedingte Wärmeanstieg ist somit nicht mit der Erwärmung einer Wärmeflasche vergleichbar, da ein zusätzlicher Effekt auf die Zellstruktur wirkt, der von den SAR-Werten eben nicht erfasst wird.

Der strahlenbedingte Wärmeanstieg ist somit nicht mit der Erwärmung einer Wärmeflasche vergleichbar

Wäre dem nicht so, würde für eine Messung von EMF‘s ein einfaches Thermometer ausreichen. Interessanterweise ließe sich dieses Argument ebenso für die Erhebung von Radioaktivität anwenden. Auch dort ist der Wärmeanstieg nicht der alleinige Faktor für radioaktive Strahlung[8]. Ende Teil 1 Für Anregungen und Vorschläge zu anderen Themen und Artikel: reinhardbauermeran@outlook.comQuellennachweis:[1]www.infoamica.it/sperimentazione-5G-manca-il-parere-sanitario/[2]maxwireless.de/2017/35-ghz-basis-frequenzbereich-5G/[3]www.goruma.de/erde-und-natur/strahlung/elektrosmog-und-handystrahlung (erhoben am 31.10.19) [4]www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1441[5] Weiterführende Lektüre: de.wikipedia.org/wiki/Oxidativer_Stress[6]grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.com/2009/07/neue-studie-bestatigt-athermische.html[7]www.auva.at/cdscontent/?portal=auvaportal&contentid=10007.769605&viewmode=content[8] Info zu Vergleichszwecken, die Auswirkung von EMF’s und Radioaktivität sind vollkommen unterschiedlich Artikel

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