Rückläufige Sterbezahlen in Schweden

Geht die Corona-Pandemie ohne Lockdown zu Ende?

Schweden war und ist wegen seines in Europa auffälligen Sonderweges in der Corona-Krise häufig das Ziel von Angriffen in sozialen und anderen Medien. Auch in Artikeln von VOX NEWS Südtirol dauert es nicht lange, bis zum Thema Schweden entsprechend einschlägige Kommentare kommen, die davor warnen das "Beispiel Schweden" als Vorbild zu nehmen. Mit der Frage, wie sich die Corona-Pandemie in Schweden ohne Lockdown auswirkt, hat sich unlängst der auf Wissenschaft und Technologie spezialisierte niederösterreichische Publizist und Journalist Dr. Peter F. Mayer beschäftigt. In einem Artikel auf "Meinbezirk.at" zeigt er mittels Infografiken auf, dass Schweden die erste Welle der Corona-Krise ohne Lockdown durchgestanden hat - so wie Japan, Südkorea, Hongkong oder Zhenshen, China. Laut den ausgewerteten Daten geht die Zahl der Todesfälle in Schweden seit dem Höhepunkt in der zweiten Aprilwoche deutlich zurück.

Eine Grafik ist für den niederösterreichischen Wissenschaftsjournalisten Dr. Peter F. Mayer der Beweis. Sie zeigt den Verlauf der Todesfälle nach Sterbedatum geordnet auf. Und daraus ist abzulesen, dass die Todesfälle auch ohne die durch den in anderen Ländern verfügten Lockdown verursachten gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kollateralschäden zurückgegangen sind.

Die Kurve unterscheidet sich somit von jenen, die aus Daten von Worldometers oder der Johns Hopkins Universität (JHU) erzeugt wurden, da dort die Daten nach Meldung gesammelt werden, jedoch nicht nach Sterbedatum, wie sie die Behörde berichtet und auch rückwirkend Fälle nachträgt. Die Daten können bei der schwedischen Volksgesundheitsbehörde (Folkhälsomyndigheten) als csv heruntergeladen werden. In Summe sind es bis 22. April 1.937 bestätige Corona-Todesfälle.

Schwedisches Modell gegenüber Lockdown

Die neuesten Zahlen zu Patienten und Todesfällen zeigen, dass die Epidemie in Schweden dem Ende entgegen geht. Auch in Schweden entstand die Übersterblichkeit hauptsächlich in Pflegeheimen, die man nicht gut genug geschützt habe, wie der Chefepidemiologe Anders Tegnell erklärte.

Die schwedische Bevölkerung profitiert nun im Vergleich zu anderen Ländern zudem von einer sehr hohen natürlichen Immunität gegen den Covid19-Erreger, die sie vor einer möglichen "zweiten Welle" im nächsten Winter besser schützen dürfte.

Länder ohne Ausgangssperren und Kontaktverbote, wie z.B. Japan, Südkorea und Schweden, haben bisher keinen negativeren Verlauf als andere Länder erlebt. Dies stellt die Wirksamkeit solcher sehr weitgehenden Maßnahmen infrage.

Es ist davon auszugehen, dass die Covid-19-Erkrankung in der schwedischen Gesamtsterblichkeit 2020 nicht sichtbar sein wird. Das schwedische Beispiel würde laut Dr. Peter F. Mayer zudem zeigen, dass "Lockdowns" medizinisch unnötig oder sogar kontraproduktiv sowie gesellschaftlich und ökonomisch verheerend waren.

Sehr ähnliche Maßnahmen auf Freiwilligkeit beruhend sind auch in Japan getroffen worden und im Unterschied zu anderen asiatischen Ländern ohne die verbreitete Handyüberwachung. Die Todeszahlen sind mit 286 bei einem Staat mit 126 Millionen Einwohnern noch dazu extrem niedrig.

Der zeitliche Ablauf in Schweden

Der erste bestätigte Fall von Covid-19-Pandemie in Schweden wurde am 31. Januar 2020 gemeldet, als eine aus Wuhan zurückkehrende Frau positiv getestet wurde. Am 26. Februar 2020, nach dem Covid-19-Ausbruch in Italien und im Iran, traten in Schweden Erkrankungen in mehreren Clustern auf.

Am 9. März 2020 folgte der erste Bericht über die Übertragung innerhalb des Landes bei zwei Patienten, die sich am 6. März 2020 im St.-Göran-Krankenhaus in Stockholm meldeten. In allen zuvor festgestellten Fällen war die Kontaktverfolgung erfolgreich gewesen und es wurden Verbindungen zu Reisenden oder anderen bestätigten Fällen hergestellt.

Der erste Todesfall wurde am 11. März 2020 gemeldet, als ein über siebzig Jahre alter Risikopatient aus der Region Stockholm auf der Intensivstation des Karolina-Universitätskrankenhauses starb. Er war nicht im Ausland gewesen.

Ebenfalls am 11. März 2020 verabschiedete die schwedische Regierung eine Verordnung, die bis auf Weiteres alle Versammlungen mit mehr als 500 Personen unter Strafandrohung verbot. Die zulässige Anzahl wurde am 29. März 2020 auf fünfzig Personen reduziert.

Ab dem 12. März 2020 wurde die nationale Teststrategie nur auf Ältere, Schwerkranke und medizinisches Personal angewendet. Die offizielle Empfehlung lautet ab dem 13. März 2020, wegen nicht schwerwiegender Symptome zu Hause zu bleiben und keine Bezirksgesundheitszentren oder Krankenhäuser zu besuchen.

Bis zum 15. März 2020 gab es in Schweden 1190 bestätigte Fälle, wobei der Landkreis Stockholm am stärksten betroffen war. Am 26. März 2020 hatte sich die Zahl auf 2840 bei 71 Toten und sechzehn als geheilt geltenden Personen erhöht.

Mitte April 2020 gab es in Schweden mehr als 10.000 Infizierte bei 887 Todesfällen. Das Virus war bis dahin, trotz Besuchsverboten, in einem Drittel der Altenheime in Stockholm aufgetreten, worauf ein sprunghafter Anstieg der Todesfälle zurückzuführen war.

Der schwedische Staatsepidemiologe Tegnell geht davon aus, dass das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 "nicht aufzuhalten" ist. Und er ist auch der Überzeugung, dass "die Kurve flach gehalten werden müsse, um Krankenhäuser nicht zu überlasten." Doch Tegnell hatte von Anfang an auch die sozialen Folgen im Blick: Die Einschränkungen sollten nicht zu streng sein, damit Menschen auch bereit sind, diese über Monate zu akzeptieren. Zudem hofft er darauf, dass auf diese Weise genug widerstandsfähige Menschen an Covid-19 erkranken, um eine Immunität gegen den Erreger zu entwickeln.

Nach neuesten Studien rechnet man damit, dass bis Anfang Mai im bisher am stärksten betroffenen Stockholm rund ein Drittel der Bevölkerung Immunität erlangt haben wird.

Die Maßnahmen der schwedischen Gesundheitsbehörde

Schweden setzte von Anfang an auf freiwillige Disziplin statt Verboten, im europäischen Vergleich sind es die liberalsten Maßnahmen, aber ähnlich denen von Japan.

  • Weitgehender Normalunterricht bis Klassenstufe 9, höhere Klassen im Fernunterricht, da es wissenschaftlich keine Evidenzen gibt, dass Kinder als Risikogruppe oder Überträger des Virus auffällig sind.
  • Besuchsverbot in Altenheimen
  • Gastronomiebetriebe und Handel blieben ebenso offen wie die Landesgrenzen.
  • Universitäten haben auf Fernstudium und Heimarbeit umgestellt.

Am 27. März 2020 verschärfte Schweden sein Veranstaltungsverbot. Es gilt seitdem für Veranstaltungen ab fünfzig Personen. Besuche in Altenheimen wurden verboten.

Weitere Daten:

Interessant die Verteilung der Geschlechter:

 

Frauen

Männer

Erkrankte

53 %

47 %

Intensivpatienten

26 %

74 %

Tote

43 %

57 %

Und die Altersverteilung entspricht in etwa der normalen Mortalität, wie die zweite Grafik unten zeigt.

VOX NEWS Südtirol-Quellenverweis: presse.online / meinbezirk.at / Dr. Peter F. Mayer, Niederösterreich 24.04.2020 / schwedische Volksgesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten

VOX News Südtirol / ts