Martina Bortolotti von Haderburg

Mitten ins Herz: eine Künstlerin und ihre Stimme

Sie singt Oper, Operetten, symphonische Werke, Kammermusik, auch geistliche Musik. Sie füllt auch alleine eine ganze Bühne aus. Ihr Lachen hat etwas von Skyline und Zirmstube, und wenn sie spricht, könnte man ihr stundenlang zuhören. Kaum aber fängt sie an zu singen, holt dich dein Einhorn ab und bringt dich auf seinem Rücken in eine andere Sphäre, und man ist einfach nur glücklich: Martina Bortolotti von Haderburg, Opernsängerin aus Südtirol mit internationalem Renommee, und einer Persönlichkeit, die sich über den schnöden Alltag erhebt, ohne es zu wissen.

Beheimatet ist die Künstlerin in Salurn. Ihr Vater ist Südtiroler, ihre Mutter Italienerin aus dem Veneto, eine Mischung, die ihrer Leidenschaft und Ausstrahlung, ihrer Bühnenpräsenz, nicht hinderlich war. "Wir hatten keine Profi-Musiker in der Familie", sagt die Sängerin, "und als sich mein Weg mehr und mehr vorzeichnete, waren meine Eltern anfangs schon etwas besorgt, da in meinem Bereich eine sichere Zukunft nur schwer vorhersagbar ist. Trotzdem habe ich mich durchgesetzt. Jetzt ich froh darüber, und meine Eltern ganz besonders. Verstehen kann ich meine Eltern jetzt schon, denn es ist ein Wagnis, diesen Beruf zu ergreifen und mit beachtlichen Investitionen verbunden."

Angefangen hat alles mit dem einfachen Grundschulunterricht. In diesem von ihren Lehrer/innen der Musik auf einfache Weise nähergebracht war ziemlich bald hörbar, dass sie eine "nette Stimme" habe, wie sie sagt. "Ich habe dann in einem Chor gesungen und wir haben auch an Chorwettbewerben teilgenommen, und Ida Pamer, unsere Chorleiterin, hat mich ermutigt, Gesang zu studieren. Nach einer Aufnahmeprüfung habe ich dann das Konservatorium in Bozen absolviert, und von da an war schon klar, dass das mein Beruf sein würde." Doch vor allem war bereits im Kindesalter eine Perle in der Künstlerin Seele gewachsen: ihre Liebe zur Musik und zum Gesang, die sich verfestigte von Jahr zu Jahr, zu einer Bindung fürs Leben. "Es ist ein Unterschied, ob man mit dem Herzen und der Seele singt, mit Leidenschaft und Liebe, oder nur mit der Stimme", erklärt die Künstlerin.

"Ich musste viel lernen und viel trainieren, denn von Operngesang hatte ich anfangs nicht viel Ahnung", erzählt sie weiter. "Irgendwann hat man mir dann gesagt, ich solle versuchen, an der Scala vorzusingen, von Technik hast du keine Ahnung, aber die Stimme ist schön, und alles andere würde man hinbekommen." Am Teatro alla Scala in Mailand sang die Sopranistin zuerst mit einer Borsa di Studio im Chor und dann auch als Solistin unter Dirigenten wie Riccardo Muti oder Giovanni Antonini. An der Hochschule für Musik und Theater in München, wo sie ein Ersasmusstipendium gewann studierte sie Oper und Liedgestaltung und besuchte Meisterkurse bei Brigitte Fassbaender, Helmut Deutsch oder Gustav Kuhn. Heute singt die Künstlerin Soloparts in Opern auf internationalen Bühnen und gibt Konzerte als Solistin.

"Ich muss sagen, dass ich trotz der Schwierigkeit, sich in diesem Beruf zu behaupten, immer einen Platz gefunden habe, ich habe viel studiert und trainiert und auch schwierige Parts übernommen, für welche es nicht so viel Auswahl gibt, z.B. Rollen in zeitgenössischen Opern wie die Julie von Kristin mit ihrer schwierigen Koloraturrolle." Hilfreich war der Künstlerin dabei immer ihre Besonderheit im Ausdruck, ihr Esprit, die Fähigkeit, dem Publikum ihre Liebe zur Musik zu übermitteln und es mitzunehmen auf ihre Reise durch die Oper.

"Leider kann unsere Branche wie die gesamte Showbranche manchmal ein Haifischbecken sein", erzählt die Sopranistin. "Oft ist alles ist sehr oberflächlich. Es zählen nur die Kontakte zu den Machern, denen man sich komplett ausliefern sollte, und es zählt das Geld, denn je mehr davon du hast, desto mehr kannst du in Werbung und Vorsingen investieren. Einige Stars werden hochgepuscht und es wird ihnen alles abverlangt, um oben zu bleiben. Ein Künstler wird ausgenützt und ausgepresst wie eine Zitrone und dann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen, sollte er dem Druck nicht mehr standhalten oder ihn die Stimme im Stich lassen. Die Situation kann in manchen Fällen geradezu unmenschlich werden.  Ich hatte das Glück, dass ich mir immer treu bleiben konnte, dass ich immer zur richtigen Zeit die richtigen Menschen kennen gelernt habe und dass ich auf dem Boden geblieben bin. Sicher haben mir da meine Südtiroler Bodenständigkeit, meine Südtiroler Wurzeln geholfen. Und meine Liebe zur Natur, aus der ich meine ganze Kraft ziehe. Ich begebe mich in den Wald oder ans Meer (mein Bruder wohnft auf Mallorca) und lasse mich damit dahintreiben in meinen Gedanken und Gefühlen, ich bin dann wieder ganz Teil dieser Natur, und das stärkt mich sehr für den Tag und das bewegte Leben, das ich auch führe, für immer neue spannende Herausforderungen."

Wie es denn jetzt zu Corona-Zeiten für sie war, wollten wir von VOX NEWS Südtirol wissen.

"Ja, schon schlimm, weil wir nicht arbeiten konnten. Finanziell, aber auch der Kontakt zum Publikum fehlt, daraus besteht ja auch die Genugtuung, die wir aus unserer Arbeit ziehen. Ich konnte ja ganze sechs Monate nicht auftreten und viele hochinteressante Projekte wurden leider abgesagt. Auch im August hatte ich noch ein paar abgesagte Konzerte und auch das kommende Jahr wird sehr schwierig werden für größere Projekte. Gott sei Dank haben wir ein bisschen Unterstützung durch Kulturpakete und Künstlerhilfen vom Land und vom Staat bekommen, aber hoffentlich können wir bald wieder frei auftreten, ansonsten wird es noch härter, mit Kunst und Kultur überleben zu können", sagt die Künstlerin. 

Wir sprechen noch lange zusammen. Wir sind froh, dass sie sich trotz ihres wieder recht straffen Arbeitspensums so viel Zeit für uns nimmt. Es spricht sich so gut mit ihr über das Leben und über die Oper. Und wir brechen eine Lanze dafür.

Die Oper ist eine so viel umfassende reichhaltige Kunstform. Sie lebt davon, dass ihre Protagonisten die Tiefe der Gefühle an das Publikum weitergeben. Die Oper ist keine Show und sie braucht  nicht unbedingt Spezialeffekte. In der 'Stille' einer einzigen Arie werden die Gefühle mitten in das Herz und in die Seele dessen transportiert, der sich dafür öffnet. "Es ist nicht immer so wichtig ein Kenner zu sein", sagt Martina, "viel mehr geht es darum, sich diesem Geschenk hinzugeben und den Inhalt aus der Musik und dem Gesang zu verstehen, auf einer anderen Ebene. Alle Gefühle, bei denen es in der Oper geht, sind nach wie vor zeitgemäß. Es geht vor allem um Beziehungen, um Intrigen, Macht, Politik, um Eifersucht, um Leidenschaft und Liebe."

In diesem Sinne würde sich ein Ausflug in die Welt der Oper lohnen. Wie schon Richard Gere zu seiner Julia in Pretty Woman sagte: "Die Reaktion der Menschen, die zum ersten Mal eine Oper hören, ist dramatisch. Oder sie hassen sie oder sie lieben sie, und wenn sie sie lieben, dann für immer."

Martina Bortolotti von Haderburg jedenfalls wird uns weiter verzaubern. Die nächsten Projekte: Hauptdarstellerin der Oper "Edith Cavell" auf Malta, wenn sich die Corona-Situation bessert; CD-Aufnahmen für Naxos von "Afrikareise" von Franz von Suppè und "Indigo" von Johann Strauss unter der Leitung von Maestro Dario Salvi. Weiters Konzerte mit Günther Sanin, Konzertmeister der Arena in Verona und Maestro Reinhard Seehafer für die Altmarktfestspiele in Deutschland. Gala-Konzerte in Lübeck und Bayern. "Rheingold" von Richard Wagner als Freia. CD-Aufnahme von Partidge’s Liedern in Luxemburg.

Weitere Informationen zu Martina Bortolotti von Haderburg finden Sie unter: Facebook/Martina.Bortolotti  oder unter ihrer Homepage

Bildgalerie: Martina Bortolotti von Haderburg vor dem Royal Opera House im Oman

VOX News Südtirol / Karin Renee Egger

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