Doch mehr Fernunterricht

Oberschule: Vinschger Lösung für weitgehenden Präsenzunterricht gekippt  

Untergräbt Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner Oberschülern das Recht auf Bildung? Was zurzeit im Oberschulzentrum Schlanders passiert, ist kaum zu glauben: Die Schulleitung des OSZ Schlanders hat sich im Sommer ein ausgeklügeltes, gut durchdachtes System einfallen lassen, welches ermöglicht, dass fast der ganze Unterricht in Präsenz stattfinden kann. Vergangene Woche kam die Landesschuldirektorin zu einer "Aussprache" mit den Verantwortlichen des OSZ Schlanders zusammen. Das Ergebnis: Trotz der stichhaltigen Argumente muss die Schulleitung nun das gesamte mühsam erarbeitete System über Bord werfen und den Stundenplan so ausrichten, dass die Schüler mehr Zeit im Fernunterricht verbringen, obwohl dies rein logistisch nicht notwendig wäre.

Im Bildausschnitt rechts: Die Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner

"So viel Präsenzunterricht wie möglich", war das Ziel der Lehrer im  OSZ Schlanders. Im Sommer wurde ein Stundenplanmodel mit gestaffelten Ein- und Austrittszeiten erstellt, welches das ermöglicht: die Schüler der ersten und zweiten Klassen kommen eine Schulstunde früher zum Unterricht und gehen dafür früher nach Hause. Die Schüler der dritten- bis fünften Klasse kommen später und gehen später, wobei die erste und die letzte Stunde als sogenannter "gleitender Eintritt" geplant wurde. Sprich, manche Schüler kommen erst während der Stunde, um die Fahrschüler auf so viele Transportlinien aufzuteilen wie nur möglich. Die gesamten Hygienemaßnahmen wurden im Oberschulzentrum Schlanders genau umgesetzt; die Gesundheit für Schüler und Lehrer ist auch dort oberstes Gebot. Auch die Pausen wurden so verteilt, dass sich nicht zu viele Schüler auf einmal im Pausenhof befinden. "Wir haben die Schüler der anderen Klassen teilweise noch nicht einmal gesehen", so zu hören von verschiedenen Schüler des OSZ Schlanders. Umso größer nun die Verwunderung, warum man dieses Vorreitermodell nicht genehmigt. "Neben dem Bildungsniveau, welches im Präsenzunterricht deutlich höher ist, liegt es mir als Psychologin besonders am Herzen, dass es den Schüler auch mental besser geht, wenn sie ihre sozialen Kontakte pflegen können.", so die Direktorin des OSZ Schlanders, Verena Rinner.

Nun aber der Schock:

Die Landesschuldirektorin hat am 31. August ein Schreiben erlassen, welches den Oberschulen vorschreibt, dass maximal 70 Prozent der Fahrschüler gleichzeitig an der Schule sein  dürfen. An allen drei Schulgebäuden des OSZ Schlanders ist jedoch ausreichend Platz, um 100 Prozent der Schüler, auch mit Sicherheitsabstand, unterzubringen. Außerdem betreffe das Dekret ausschließlich die Fahrschüler: "Das ist eine klare Diskriminierung gegenüber allen Fahrschülern", werfen einige Elternvertreter der Landesschuldirektorin vor. Die meisten Schüler haben sich mit dem neuen System gut zurechtgefunden und wollen keinesfalls wieder in den Fernunterricht: "Ganz ehrlich: viel haben wir vom Fernunterricht nicht mitnehmen können und deshalb wollen wir Schüler auch Präsenzunterricht", so ein Schülervertreter.

In den ersten beiden Wochen kam es bei den Transporten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu einigen Schwierigkeiten. Da die Züge teilweise mit Touristen überfüllt waren, hatten die Schüler oft nicht die Möglichkeit den Sicherheitsabstand in den Zügen zu wahren. Das ist jedoch nicht das Problem des neuen Stundenplans vom OSZ Schlanders, sondern ein altbekanntes: Seit Jahren kämpfen die Schulleiter und Schüler mit den Mobiltitätsverantwortlichen, dass die Züge entweder aufgestockt werden oder die Linien, welche für Schüler und Pendler gedacht sind, auch ausnahmslos für diese reserviert werden. "Egal wie viele Schüler diese Linien benützen, ob es 100 Prozent, 70 Prozent oder 10 Prozent sind, sie sind immer überfüllt", so einige Fahrschüler.

Nach den ersten beiden Schulwochen hätten sich die Mobilitätsverantwortlichen dazu bereit erklärt Zusatz-Schienenbusse bereit zu stellen. Auch das war der Landesschuldirektorin egal. "Sie konnte zwar bei der Aussprache nicht erklären warum, aber wir müssen jetzt die Schüler unnötigerweise mehr in den Fernunterricht schicken", so einige Vertreter des Schulrates. Dem Schulrat wurde gedroht, wenn man der „Anweisung“ nicht Folge leisten würde, wird der Schulrat abgesetzt und die Direktorin mit Disziplinarmaßnahmen sanktioniert. "Wir Schüler stehen hinter unseren Lehrern und hinter unserer Direktorin. Sie haben uns beigebracht, dass bei solchen zentralistischen Maßnahmen oftmals nur der politischer Wille und die Kompromissbereitschaft fehlt."

Andere Gegebenheiten, andere Maßnahmen

Noch vor einigen Monaten hat die Landesregierung "Südtirols eigenen Weg" eingeschlagen, weil sie die zentralistischen Maßnahmen von Rom nicht mehr mitmachen konnte und nun wird in Südtirol dieselbe Masche abgezogen. Die Oberschulen im Vinschgau sind nicht zu vergleichen mit denen in Bozen oder Meran. Im Vinschgau sind so gut wie keine registrierten Coronafälle und somit mindert sich auch das Ansteckungsrisiko für die Schüler. Gerade auch in Schlanders hat man in den Oberschulen sehr viel Platz, da die Schülerzahlen viel geringer sind als in den Städten.                       

Wenn man im Sommer in Bozen Sonnencreme braucht, müssen die Vinschger bei 10 Grad dann auch welche auftragen?

VOX News Südtirol / ls

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