Schwere Folterungen in Brixen

STF: "Man hörte die Schreie bis ins Hotel Elephant"

"Vor genau 60 Jahren ereigneten sich in Südtirol grausame Menschenrechtsverletzungen. Nach der Feuernacht 1961 wurden viele Süd-Tiroler wahllos verhaftet und von den Carabinieri – mit ausdrücklicher Billigung der italienischen Behörden – brutal gefoltert", resümiert die Süd-Tiroler Freiheit die geschichtlichen Ereignisse in einer Aussendung an die Presse.

"Mit sechs blutroten Buchstaben F-O-L-T-E-R sowie mit einer Erklärungstafel mit einem Blut besudelten Hemd, haben wir heute vor der Carabinieri-Kaserne in Brixen darauf aufmerksam gemacht, was sich in diesen Räumlichkeiten abgespielt hat", so die Vertreter der Süd-Tiroler Freiheit.

Die Süd-Tiroler Freiheit erinnere an den Orten des Verbrechens an die Folterungen. Am 6. August vor der Carabinieri-Kaserne in Brixen, in der besonders grausam gefoltert worden sei. Die Schreie der Gepeinigten seien über den ganzen Platz bis ins Hotel Elephant hörbar gewesen. Der junge Familienvater Anton Gostner sei sogar an den Folgen dieser Folterungen verstorben.

"Mit sechs blutroten Buchstaben F-O-L-T-E-R sowie mit einer Erklärungstafel mit einem Blut besudelten Hemd, haben wir heute vor der Carabinieri-Kaserne in Brixen darauf aufmerksam gemacht, was sich in diesen Räumlichkeiten abgespielt hat. Den Familien der Freiheitskämpfer wurden damals bewusst die blutigen Kleidungsstücke heimgeschickt, um auch die Angehörigen psychisch fertig zu machen", resümieren die Vertreter der Süd-Tiroler Freiheit.

Als "cura speciale" hätten die Carabinieri höhnisch die grausamen Folterungen bezeichnet, die darauf abzielten, die Südtiroler zu erniedrigen und ihnen ihre Menschenwürde zu nehmen.

"Die Schilderungen der Opfer machen noch heute sprachlos: an Lippen und Genitalien ausgedrückte Zigaretten, das Anbringen von Gewichten an den Geschlechtsteilen, tagelanges Stehen mit ausgestreckten Armen, Faustschläge und Fußtritte am ganzen Körper, tagelanger Entzug von Essen, Trinken und Schlaf, Folter mit Zangen und Riemen, Einflößen von Säure, Salzwasser und Fäkalien in den Mund, der Einsatz von Käfern unter der Haut und und und", fasst die Süd-Tiroler Freiheit die Geschehnisse zusammen.

Besonders grausam seien die Folterungen in Brixen gewesen. Der junge Familienvater Anton Gostner habe die Carabinieri ausdrücklich auf seine Herzerkrankung aufmerksam gemacht, was diese jedoch nicht davor zurückschrecken ließ, ihn dennoch brutal zu misshandeln. Er durfte jedoch seine Kinder zu sich in die Kaserne rufen lassen, um sich von der Familie zu verabschieden, "da er hier nicht mehr lebend herauskommen werde". "Effektiv waren die Folgen seiner Misshandlungen so schwerwiegend, dass er im Bozner Gefängnis einen Herzanfall erlitt. Selbst als er schon im Sterben lag, verweigerte man ihm noch medizinische Behandlung ─ kurz darauf war er tot. Auch sein Bruder Engelbert Gostner wurde in Brixen so brutal gefoltert, dass dessen Frau im gegenüber liegenden Hotel Elephant die Schreie ihres Mannes hören konnte. Kein einziger der Folter-Carabinieri wurde jemals bestraft", prangert die Süd-Tiroler Freiheit an.

Die Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll und Myriam Atz-Tammerle, haben vor der Carabinieri-Kaserne die Folterberichte der gepeinigten Freiheitskämpfer verlesen und dabei die Forderung erneuert, die Freiheitskämpfer, die vor diesen grausamen Folterungen ins Exil fliehen konnten, endlich heimzulassen.

Auch der Gemeinderat der Süd-Tiroler Freiheit von Brixen, Stefan Unterberger, habe die Verantwortung der Stadt Brixen hervorgehoben, dieses grausame Kapitel der Stadtgeschichte nicht vergessen zu lassen und durch die Anbringung einer Erklärungstafel dauerhaft sichtbar zu machen.

Die Folterungen der Südtiroler Freiheitskämpfer durch die Carabinieri seien und blieben eine brutale Verletzung der Menschenrechte und der Menschenwürde, die nie vergessen werden dürfe, so die Süd-Tiroler Freiehit abschließend.

VOX News Südtirol / nb