Tierschutz: Machtmissbrauch und das verlorene Paradies

Um Tiere zu lieben, muss man sich nicht mit ihnen auf der Couch tummeln, man muss sich nicht mit ihnen schlafen legen – aber man darf, vorausgesetzt, man zwingt sein Tier nicht dazu. Einerseits sind da die Tierliebhaber, denen im Umgang mit ihrem Tier schlichtweg die Nuancen fehlen, andererseits gibt es die Gleichgültigen, Spaziergänger durchs Leben, die Tierliebe einfach nicht nachfühlen können, um keinerlei Erfreulichkeiten mit Tieren wissen, wohl weil das Liebes-Gen generell etwas schlecht ausgeprägt scheint. Und die dritte Gruppe schließlich ist ein Hohn auf die gesamte Existenz: sie wertet Tiere ab und vernachlässigt oder misshandelt sie. Dass Tiere unseren Schutz brauchen, darüber ist nicht zu diskutieren, wohl aber darüber, wie, mit welchen Gesetzen und Richtlinien, sie geschützt werden sollten und welche Möglichkeiten der Kontrolle und Sanktionen es gibt. Laut Landesrat Arnold Schuler hat Südtirol das strengste Tierschutzgesetz Italiens. Das Gesetz werde allerdings laut Tierschützer nicht ausgeführt, und das sei das Problem. VOX NEWS Südtirol hat mit Sonja Meraner, Präsidentin und Gründerin des Vereins "Südtiroler Tierparadies hilft", gesprochen. Sonja Meraner ist Tierschützerin, seit sie 12 Jahre alt ist. Sie ist ausgebildete Tierpsychologin und arbeitet in Südtirol als auch in Deutschland. An derselben Front kämpft auch Monika Kemenater, die vor allem dabei hilft, unbequeme Fakten ans Licht zu bringen.

Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv – nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies.Konrad Lorenz

"Wir erleben täglich, wie Tiere einfach im Stich gelassen werden, und manchmal haben wir keine Handhabe", sagt Sonja Meraner. "In Deutschland ist es sehr viel einfacher, mit den Behörden und Ämtern zusammenzuarbeiten. Bei einigen Kontrollen sind auch die Verantwortlichen des Tierschutzvereins zusammen mit den Behörden dabei. Nach jeder Meldung wird schnell und konkret gehandelt, was hier in Italien leider nicht der Fall ist. Hier wird bei einer Meldung Zeit aufgeschoben oder gar nicht gehandelt." "Viele Amtstierärzte sitzen in ihren Büros und kassieren eine Menge Geld und handeln überhaupt nicht. Ihre Aussagen: 'Solange die Tiere Wasser und Futter haben, ist alles in Ordnung.' Ein Amtstierarzt sagte einmal zu mir: 'Tierschutz ist Ansichtssache und man kann nicht verlangen, dass zum Beispiel ein Zuchtkaninchen für die Ausstellungen im Freien leben sollte.' Das verstehen wir, aber zumindest müssen die gesetzlichen Kriterien erfüllt werden", gibt die Tierschützerin zu bedenken. Sie erzählt uns von einem weiteren Fall, von einem Bauern, der Schafe, Kühe und Truthähne hält: "Die Tiere waren bis zu den Knien im eigenen Mist gefangen. Diese Situation wurde dann gemeldet und es passierte leider bis heute gar nichts, im Gegenteil, der Amtstierarzt riet dem Bauern, einfach einen Zaun um die Tiere herum zu machen, damit es externe Personen nicht mehr so sehen." Klingt gruselig, aber dies sei leider kein Einzelfall, sondern harte alltägliche Realität in Südtirol. Meraner ist von den meistern Amtstierärzten enttäuscht. Die junge Frau ist eine Kämpferin. Die meisten Vereine, sagt sie, würden sich hauptsächlich mit dem Versorgen und der Kastration von Katzen beschäftigen, das sei gut und recht, aber Tierschutz bedeute so viel mehr. Man müsse der Sache auf den Grund gehen und dabei bleiben, auch wenn man vom Veterinäramt im Stich gelassen wird. "Wir kämpfen trotzdem weiter und handeln im Alleingang, bis das Tier gerettet ist", so Sonja Meraner. Das Problem in Südtirol bestehe auch darin, dass eine politische Partei ihre Hand über die Bauern halten und sie somit schützt würde. Amtstierärzte hätten sogar oft Angst, Missstände auf Bauernhöfen zu melden, denn ihnen würde von den Bauern angedroht werden, dass sie ihre Arbeit verlieren. "Ein weiteres Beispiel betrifft das Passeiertal", erzählt die Vereinspräsidentin, "dort wurden heuer wieder Ziegen, die den Sommer immer auf der Alm verbringen, direkt eingeschneit. Diese Tiere können im Moment nicht vom Bauer auf ihren Hof zurückgebracht werden, da Lawinengefahr besteht. Der Bauer hätte die Ziegen bis 1. November von der Alm herabtreiben müssen. Wir fordern, dass Tiere von Almen bis spätestens zum 15. Oktober im Stall sein müssen, und dass die zuständigen Förster, die das Almregister führen, die Bauern kontrollieren und eventuell bestrafen. Der Bauer hätte früher handeln müssen, die Schlecht-Wetter-Prognose war schon länger bekannt, besonders im Tal. Die Bauern lassen lieber ihre Tiere länger auf der Alm, da dies für sie bequemer ist." Wäre das dann die sogenannte "Tierliebe der Bauern", von der so viele sprechen? Sonja Meraner fordert die Bevölkerung auf, nicht den Mut zu verlieren und Meldung zu machen, wenn sie von einem Tierschutzfall erfahren: "Meldet die Fälle, wenn ihr was wisst, habt keine Angst und gebt nicht auf, nur so können wir vielen Tieren helfen." Weiter Informationen und Meldungen unter: suedtiroler-tierparadies-hilft.it

Kommentare und Antworten

anmelden und Kommentare hinzufügen.
Sei der erste der kommentiert
Dies könnte Sie auch noch interessieren