Justiz Südtirol

Fehldiagnose: Kind per Kaiserschnitt aus dem Mutterleib geholt und entwendet

Die Geschichte klingt arg und ist sie auch: Einer jungen Südtiroler Frau, welche vor einigen Jahren psychisch erkrankte, wurde aufgrund von Fehldiagnosen durch Ärzte Südtiroler Einrichtungen sowie Fehlentscheidungen des Bozner Jugendgerichtes das Kind – anders kann man es aus heutiger Sicht nicht ausdrücken – geraubt. Per Kaiserschnitt und unter einem Vorwand in Unwissenheit der Mutter. Anschließend wurde das Kind zur Adoption freigegeben. Die Mutter hat das Kind nie zu Gesicht bekommen. Das Jugendgericht erlaubt noch nicht einmal, dass das Kind in die Obhut der Großeltern kommt.

Für Christian Masten ist das alles ein handfester Justizskandal, den es so in der jüngsten Geschichte Südtirols noch nicht gegeben hat. Als Präsident des Vereines Robin Hood Tirol betreut Masten seit mehreren Monaten diesen krassen und außergewöhnlichen Fall.

Nachdem das Bozner Jugendgericht beharrlich alle Rekurse und Eingaben der betroffenen Familie abweist und die Adoption nicht mehr rückgängig machen will, nachdem auch die Bozner Staatsanwaltschaft im Wesentlichen untätig bleibt und ohne jedwede Ermittlungen durchgeführt zu haben beim Ermittlungsrichter die Archivierung der Verfahren beantragt hat, obwohl in den Strafanzeigen (sie liegen dieser Redaktion vor) mehrere schwere Straftaten aufgezeigt wurden und entsprechenden der Faktenlage auch konkreten Personen zugeschrieben werden können, hat Masten gestern Vormittag in Bozen auf einer Pressekonferenz, im Beisein des namhaften Psychiaters Carlo Andrea Robotti, den unglaublichen Fall der Öffentlichkeit vorgestellt.

“Wir haben jetzt drei illustre Gutachter, welche allesamt zum Ergebnis kommen, dass die Frau in Südtiroler Strukturen falsch diagnostiziert und behandelt wurde. Hier wurde eine Frau, welche an einer bipolaren Störung litt, zu Unrecht und falsch von Ärzten des Südtiroler Sanitätsbetriebes als unheilbar Schizophren eingestuft. Mit katastrophalen Auswirkungen. Die Frau wurde 1,5 Jahre in einer psychiatrischen Struktur behandelt, wurde mit Psychopharmaka vollgepumpt“, sagt Masten auf der Pressekonferenz zu den zahlreich anwesenden Journalisten.

Was dann passiert klingt unglaublich:

Die Frau wird schwanger. Bereits in der zwanzigsten Schwangerschaftswoche ordnet der behandelnde Psychiater an, das ungeborene Kind über eine eingeleitete Geburt auf die Welt bringen zu lassen. Das Kind soll unmittelbar nach der Geburt einer Pflegefamilie anvertraut werden, welche jedoch nicht der Ursprungsfamilie entsprechen darf. Im neunten Monat der Schwangerschaft passiert das dann auch. Die Frau wird wenige Tage vor dem errechneten Geburtstermin, unter einem Vorwand und in völliger Unwissenheit über das was passiert, von der Struktur, in welcher sie seit mehreren Monaten betreut wurde, in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses verlegt. Dort wird der Frau, welche zu keinem Zeitpunkt entmündigt war, unter Vollnarkose das ungeborene Kind mittels Kaiserschnitt aus dem Leib geholt.

Das Schicksal des Kindes

Entsprechend der Empfehlung der behandelnden psychiatrischen Ärzte wird durch Dekret des Jugendgerichtes das Neugeborene nicht in die Obhut der Eltern der Tochter gegeben sondern unmittelbar nach der Geburt einem Sozialsprengel anvertraut. Dies obwohl die Eltern der Frau den Behörden längst schon mitgeteilt haben, dass sie das Kind ihrer Tochter gerne in ihre Obhut nehmen würden. Der Säugling kommt in ein Kleinkinderheim. Mit der Geburt des Kindes wird durch das Jugendgericht auch ein Verfahren eingeleitet, welches die Adoption des Kindes vorsieht. In Kürze soll die Adoption abgeschlossen werden

Der Skandal

Mittlerweile, aufgrund von drei unabhängigen und unterschiedlichen psychiatrischen Gutachten, erstellt von renommierten Psychiatern, Forensikern, Universitätsprofessoren und gerichtlichen Amtssachverständigen, stellt sich nun heraus, dass die ursprüngliche Diagnose des behandelnden Arztes eine schwere Fehldiagnose war. Folglich ebenso falsch die Therapie mit Psychopharmaka, welche die junge Frau und Mutter über zwei Jahre – die Schwangerschaft und Geburt ihres Kindes hinweg – erleiden musste.

Der noch größere Skandal: Der Kampf um das zur Adoption freigegebene Kind

Dieser Kampf gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Nicht nur die mittlerweile selbst aus der psychiatrischen Einrichtung ausgetretene junge Südtiroler Mutter möchte ihr per Kaiserschnitt regelrecht behördlich “entwendetes” Kind wieder zurück. Bereits schon während der Therapie der Frau haben ihre Eltern (bzw. Großeltern des Kindes) alles erdenklich Mögliche unternommen, um das Sorgerecht für ihr Enkelkind zu erhalten. Mehrmals wenden sich die Eltern bzw. Großeltern mit Rekursen und Eingaben an das Jugendgericht. Auch die Staatsanwaltschaft wurde eingeschalten. Gegen mehrere namentlich bekannte Personen wurde begründeter Strafantrag gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat diese Strafanzeigen, ohne jedwede Ermittlung vorzunehmen, jedoch dem Richter für die Vorerhebungen zugestellt und die Archivierung der Verfahren beantragt. Nachdem Widerspruch-Schriftsätze gegen die Archivierungsanträge gestellt wurden, liegen die Verfahren seitdem zur Entscheidung über eine Verfahrenseinstellung beim Untersuchungsrichter.

Allerschwerste Menschenrechtsverletzung durch Südtiroler Justiz und Ärzteschaft

An den schwersten Menschenrechtsverletzungen, welche diese Frau erfahren und erlitten hat, kann es keinen Zweifel geben.

Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union legt unter Art. 3 fest:

Recht auf Unversehrtheit
(1) Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit.
(2) Im Rahmen der Medizin und der Biologie muss insbesondere Folgendes beachtet werden:
a) die freie Einwilligung des Betroffenen nach vorheriger Aufklärung entsprechend den gesetzlich festgelegten Einzelheiten.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die betreffende junge Mutter und Frau, welche zu keinem Zeitpunkt ihrer Behandlung entmündigt war, unter einem Vorwand in einer verheimlichten Nacht- und Nebelaktion in ein Krankenhaus verlegt wurde und nicht wusste, dass ihr per Kaiserschnitt das Kind entnommen und dann auch in Folge genommen wird.

“Das was hier passiert ist”, sagt Christian Masten, “ist so eine unglaubliche Verletzung der Menschenrechte, dass wenn man allein mit den nackten Fakten konfrontiert wird, nicht den Eindruck hat, dass sich so ein Fall in einem zivilisierten rechtsstaatlich aufgebauten Land wie Südtirol ereignen kann.”

Justitias Türen in Bozen sind und bleiben verschlossen.

Das Jugendgericht weist alle Anträge und Rekurse ab. Die Eltern der betroffenen Frau können nicht verstehen, warum Südtiroler Behörden und das Jugendgericht auf Grund der damaligen absoluten schweren Fehldiagnosen nicht nur ihrer Tochter das Kind genommen haben, vor allem können sie nicht verstehen, warum sie als nächste Verwandte und eigentliche Ursprungsfamilie nicht das Sorgerecht für das Kind ihrer Tochter erhalten konnten und vor allem können.

Der Verein Robin Hood Tirol, welcher als Verein gegen Unrecht, Rechtsmissbrauch und Justizwillkür ankämpft und welcher die betroffene Familie seit Monaten betreut und dieser Familie auch kompetenten rechtlichen Beistand vermittelt hat, konnte dennoch einiges erreichen. So konnte nach entsprechender begründeter Eingabe durch den vermittelten Rechtsanwalt per Gerichtsbeschluss ein neuer Sachverwalter gefunden werden. Mit Hilfe dieses neuen Sachverwalters hat die Frau vor Tagen die psychiatrische Struktur verlassen können und lebt teils bei ihren Eltern, teils autonom in ihrer eigenen Wohnung.

Nun geht es darum die endgültige Adoption des Kindes zu verhindern. In diesen Stunden erfolgt die entsprechende Eingabe beim Jugendgericht auf Aufhebung der per Dekret veranlassten Adoptionsverfügung. “Es ist daher wichtig, dass die Öffentlichkeit im Vorfeld über die skandalösen Missstände beim Jugendgericht Bozen, der Staatsanwaltschaft Bozen und in den psychiatrischen Strukturen des Landes erfährt”, unterstreicht Christian Masten abschließend.

Die Pressekonferenz des Vereins Robin Hood Tirol.
V.l. Prof. Dr. Carlo Andrea Robotti und Robin-Hood-Präsident Christian Masten
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