Schule Südtirol

Glücklich sein: Unterrichtsfach für Südtirols Schüler?

Schüler sind nicht immer nur glücklich, weil dem Erwachsenen ihre Probleme “klein” erscheinen. Bei genauerem Hinsehen ist der Leistungsdruck, dem die Schüler ausgesetzt sind, ziemlich hoch. Leistungsdruck und Versagensängste machen krank.

Weltweit steigt die Anzahl der psychisch auffälligen Kinder an. Psychosomatische Symptome sind an der Tagesordnung und auch ein “Burnout” ist bei Schülern keine Seltenheit.

“Aufmerksamkeit” in England

In England wird deshalb seit Februar 2019 ab der Grundschule das Fach “Aufmerksamkeit” unterrichtet. Die Schüler werden darin unterrichtet, Emotionen besser zu erkennen, zu benennen und zu regulieren. Sie erhalten Anleitungen zur besseren Bewältigung von Stress-Situationen und lernen spielerisch, wie unser Gehirn funktioniert. Das Unterrichtsfach beinhaltet auch Empathie: die Fähigkeit, die Gefühle des anderen zu verstehen, sich in ihn hineinzuversetzen. Man hofft so, auch des grassierenden Mobbings an den Schulen besser Herr zu werden.

“Empathie” in Dänemark

Dänemark hat laut Bericht von Thrive Global bereits im Jahr 2017 Empathie als Unterrichtsfach in den nationalen Standard-Lehrplan aufgenommen. Die Kinder lernen, sich mit verschiedenen emotionalen Zuständen auseinanderzusetzen und entwickeln die Fähigkeit, Gefühle zu erkennen, die sie normalerweise nicht verstehen würden. “In einer Welt, in der viele Eltern ihre Kinder übermäßig verwöhnen und davon absehen, sie zu korrigieren, wenn sie gefühllos handeln, haben die Dänen diese Strategie entwickelt”, so der Bericht in Thrive Global.

“Glück” in Deutschland

An einigen deutschen Schulen ist “Glück” ein Schulfach. Entworfen hat das Konzept der ehemalige Schuldirektor Ernst Fritz-Schubert. Er sagt: “Mir ging es vor allem um benachteiligte Schüler, die von der Schule so negativ beeindruckt sind, dass sie die Lust am Lernen verloren haben.”

Lehrer sollten nicht Fehlersucher sein, sondern Schatzsucher
Dr. phil. Ernst Fritz-Schubert, Erfinder des Schulfachs “Glück”

So ehrenwert und innovativ diese Strategien auch sind, wird gerade deshalb, weil sie notwendig scheinen, in dem einen oder anderen Leser ganz zart die Frage aufkeimen, was wir, Eltern, Gesellschaft und Schulsystem in den letzten Jahren übersehen haben, in der Führung unserer Kinder, wo wohl die Kreuzung liegen mag, an der wir irgendwann falsch abgebogen sein müssen.

“Life Skills – Stärkung der Lebenskompetenzen” in Südtirol

Auch Südtirol springt auf den Haflinger auf und hat das Projekt “Life Skills” – die Fähigkeit zur eigenen Lebensbewältigung – gestartet. Laut Auskunft von Dr. Dorothea Staffler, Leiterin des Pädagogischen Beratungszentrums Meran Bereich Gesundheitsförderung, handelt es sich bei dem Projekt um Fortbildungskurse für Lehrpersonen. Wer will, kann in diesen Kursen Übungen zur Entspannung und Strategien zur besseren Bewältigung des Schulalltags und zur Stärkung der eigenen Lebenskompetenzen erlernen, um sie den Schülern im eigenen Unterrichtsfach weiterzugeben.

Auf der Homepage der Provinz Bozen Pädagogische Abteilung wird dieses Projekt beschrieben. In der Realität ist es so, dass die Umsetzung vom Interesse und guten Willen der jeweiligen Lehrpersonen abhängt. Unterrichtet wird dann eventuell 10 Minuten im Laufe der eigenen Unterrichtsstunde.

Ein Aspekt der Informationen auf den Seiten der Provinz Bozen verdient unserer Meinung nach besondere Aufmerksamkeit: Die Förderung von tragenden Beziehungen.

Wenn man Bildung will, muss man sich auf Bindung einlassen

Hirnforscher sagen, dass für die Entwicklung und Lernbereitschaft der Kinder maßgeblich verlässliche Beziehungen ausschlaggebend seien. Nur durch Zuwendung, Anerkennung, Wertschätzung könnten sie Zuversicht und Selbstvertrauen entwickeln. Auf der Homepage der Pädagogischen Abteilung der Provinz Bozen heißt es weiterhin: “Wie gelingt dies? Indem die Lehrperson Beziehungsmodelle vorlebt. Sie: sieht, respektiert, hilft, nimmt Angst richtet auf, hört zu, freut sich, gibt Halt, lobt, versteht, vertraut und fühlt mit.”

Genau dies sei ein Ansatz für Schule und Lehrpersonen: Ist mein Unterricht bindungsfördernd gestaltet? Trete ich meinen Schülern und Schülerinnen so gegenüber, wie ich bin? Bin ich in der Lage, die Welt des Kindes zu sehen? Respektiere ich die Gefühlsregungen meiner Schülerinnen und Schüler? Kann ich sie verstehen?

Kurz gesagt: Wenn Lehrpersonen nicht in der Lage sind, ihre eigene Empathie und Achtsamkeit dem anderen, dem Schüler gegenüber zu zeigen, wird jeder Unterricht in diesen Fächern zur Farce.

Zu beurteilen, wie die Wirklichkeit an Südtirols Schulen aussieht, sei jedem Leser, Eltern, Schüler, Lehrperson, selbst überlassen und jeder darf sein eigenes “Rucksackerl” tragen. Einig werden wir uns hoffentlich alle darüber sein, dass uns “Glücklich sein” für unsere Kinder wichtiger ist als Erfolg und Leistung – oder nicht? Wie und ob wir unseren Kindern das zeigen, liegt in dem, was wir selbst sind.

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