Politik Südtirol

Holzeisen: Landesregierung am Gängelband der Frächterlobby?

Renate Holzeisen, Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin in Bozen sowie Kandidatin des Team Köllensperger auf der Liste “+Europa” für die Wahlen zum Europäischen Parlament, spricht sich in einer Medienaussendung für ein klares Ja zu einer gemeinsamen Euregio-Zugstrategie aus. Ein klares Nein hingegen gibt es zu weiteren Straßen. Holzeisen kritisiert zudem die Landesregierung, welche pünktlich zu jeder Wahl das Schreckgespenst der Alemagna-Autobahn auspacken würde und sie frägt sich, ob die Landesregierung nicht am Gängelband der internationalen Frächterlobby ist.

“Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten. Es ist ein Armutszeugnis für eine vorausschauende Mobilitätsplanung seitens der Landesregierung, wenn pünktlich zu jeder Wahl das Schreckgespenst der Alemagna-Autobahn ausgepackt wird. Offensichtlich ist es aber mit dem 30-Minuten-Takt bei der Pustertaler Bahn zur Bewältigung von Pendler- und Touristenströme bei weitem nicht getan. Regelmäßige Zugausfälle, ärgerliche Verspätungen, fehlende Waggons in manchen Spitzenzeiten (oft im Winter) sowie nicht immer ausreichend vorhandene Pendlerparkplätze in Bahnhofsnähe tragen das ihrige dazu bei, den Anreiz zum Umstieg auf den Zug nicht attraktiv genug zu gestalten”, so Holzeisen.

“Auch beim Problem des immer stärker ansteigenden überregionalen und internationalen Lkw-Umwegverkehrs aus Kostengründen, von dem weder das Pustertal noch seine Menschen außer Lärm, Staub und Luftverschmutzung etwas haben, ist die Landesregierung einen konkreten Lösungsvorschlag schuldig. Will sie diese komplexen Probleme auf bestehenden Strecken nicht in Angriff nehmen, weil man sich vielleicht nicht einer Mautdiskussion mit der Frächterlobby stellen möchte? Wird mit Sanktus von ganz oben das regelmäßige Drängen nach einer Autobahn durch das Pustertal auf Wunsch Venetiens eher in Kauf genommen?”, frägt sich Renate Holzeisen.

“Genauso wenig wie das Klimaland Südtirol einen Flughafen Bozen braucht, genauso wenig liegt die Zukunft in neuen Strassen”, gibt sich die Kandidatin für das EU Parlament, Renate Holzeisen, die für das Team Köllensperger auf der Liste von +Europa antritt, überzeugt.

“Der Schlüssel moderner Mobilität liegt in einer regional, wie international vernetzten Zugstrategie. Es wäre daher höchste Zeit, einen weiteren konkreten Schritt zu setzen und gemeinsam mit der gesamten Europaregion Tirol in Sachen Zug-Mobilität strategisch an einem Strang zu ziehen”, führt Holzeisen weiters aus.

“In diesem Zusammenhang erinnere ich an einen von von mir bereits 2010 formulierten Vorschlag, ähnlich der Brennerautobahngesellschaft eine Euregio-Eisenbahngesellschaft zu gründen, um Mobilitätslösungen nicht nur infrastrukturell, sondern auch als Dienstleistungspaket von A bis Z im Sinne einer dem Eisenbahnland Schweiz nachempfundenen Strategie zur deutlichen Steigerung der Lebensqualität aller auf den Weg zu bringen. Persönlich halte ich es für bedenklich, die Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels 2026 abzuwarten, in der Erwartung, dass sich die allergrößten Probleme unseres Durchzuglandes durch eine Verlagerung der Verkehrsströme von der Strasse auf die Schiene allein durch die geschaffene Infrastruktur beheben lassen würden”, so Holzeisen. Und Holzeisen ist überzeugt: “Findet nämlich hier eine umfassende Diskussion zu vorausschauenden Planungsinitiativen statt, um die Attraktivität des Zugfahrens in Verbindung mit den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln insgesamt zu steigern, würden es diese unseligen Alemagna-Artikel nicht so leicht in die Tagespresse schaffen und in regelmäßigen Abständen für Unruhe unter der nicht nur lokalen Bevölkerung sorgen.”

Abschließend richtet Renate Holzeisen ihre Forderung direkt an Landeshauptmann Arno Kompatscher: “Der Landeshauptmann möge daher höchst persönlich und so rasch wie möglich diese angeheizten Spekulationen beenden und erklären, dass die Südtiroler Landesregierung sich nicht am Gängelband der internationalen Frächterlobby führen lässt.”

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