Lokal Meran

Mobilitätswende statt Fahrverbote

Mit Juli tritt in Bozen das Fahrverbot für private Dieselfahrzeuge der Klasse Euro 3 in Kraft. Dies gilt auch für Pendler. Mit dem Fahrverbot sollen die Grenzwerte für das gesundheitsschädliche Gas NO2 eingehalten werden, die in Bozen, wie auch Meran überschritten werden. Die Stadt Meran setzt auf den neuen städtischen Verkehrsplan, der den motorisierten Verkehr und damit die gesundheitsschädlichen Emissionen um 8 Prozent reduzieren soll.

Der Grenzwert für NO2 wird in Meran entlang mehreren Straßen überschritten, zum Beispiel im nördlichen Abschnitt der Romstraße, in der Rätiastraße und am Theaterplatz. Insgesamt sind rund 18 Kilometer Straßen in Meran betroffen. Verantwortlich dafür sind vor allem dieselbetrieben Fahrzeuge. Zum Schutz der Gesundheit der Anrainer hat die Landesregierung 2018 das sogenannte NO2-Programm genehmigt. Darin sind die zu ergreifenden Maßnahmen sowie die Kriterien für den Erlass von eventuellen Verkehrsverboten festgelegt.
Die Gemeinde Meran hat zu Beginn des Jahres in einer Bürgerversammlung sämtliche Messergebnisse vorgestellt und darüber informiert, in welchen Straßenabschnitten die Grenzwerte überschritten werden. Zugleich wurde mit den Daten der aktuellen Verkehrsflüsse und der gemessenen NO2-Konzentration eine Simulation für das Jahr 2021 erstellt, die auch berücksichtigt, dass bis dahin einige alte Autos gegen Neuwagen ausgetauscht werden. Das Modell zeigt einerseits, dass der Austausch alter Autos mit weniger verschmutzenden Fahrzeugen allein keine nennenswerte Verbesserung der Luftqualität bringt; andererseits kann eine signifikante Verbesserung der Luftqualität im gesamten Stadtgebiet erreicht werden, wenn die Maßnahmen des neuen Verkehrsplans wie vorgeschlagen umgesetzt werden.

Meran will Fahrverbote vermeiden
“Diese Ergebnisse sind für uns ein eindeutiger Hinweis, in welche Richtung die Reise gehen soll: Wir wollen Fahrverbote in Meran möglichst vermeiden. Und wenn wir den Verkehrsplan Punkt für Punkt gemeinsam umsetzen, werden wir das auch schaffen”, unterstrich Bürgermeister Paul Rösch.
“Die Stadt Meran setzt auf eine allgemeine Mobilitätswende und nicht auf einzelne Fahrverbote. Dazu ist die Förderung des öffentlichen Verkehrs notwendig, der Ausbau der Rad- und Fußwege und die Schaffung neuer Angebote wie Carpooling und Bike-Sharing”, so Madeleine Rohrer, Stadträtin für Mobilität.
An einem durchschnittlichen Werktag fahren zwischen 6 und 20 Uhr etwa 81.000 Autos und 5.000 Schwerfahrzeuge (Busse inbegriffen) nach Meran oder von dort weg. Nur bei 15% bis 20% davon handelt es sich um reinen Durchzugsverkehr, der Rest hat Meran als Start- oder Zielort. Es gilt also Alternativen für jene zu schaffen, die Meran als Start oder Ziel haben bzw. innerhalb der Stadt unterwegs sind.
Noch vor der Sommerpause wird dem Gemeinderat der Verkehrsplan zur Genehmigung vorgelegt. Derzeit werden noch die rund 180 Rückmeldungen aus der Bevölkerung und von Interessensvertretern bearbeitet.
Die NO2-Belastung entlang der Straßen von Meran wird kontinuierlich an mehreren Stellen durch eigene Messstellen überwacht. Führen der Verkehrsplan und die Mobilitätswende zu keiner spürbaren Verbesserung, müssen auch in der Passerstadt Fahrverbote zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung erlassen werden. Einem solchen “Rettungsschirm” hat der Meraner Stadtrat bereits zugestimmt.
NO2 entsteht bei der Verbrennung fossiler Energieträger. Laut Emissionskataster des Landes sind die Hauptverursacher der NO2-Ausstöße in Meran der Straßenverkehr (53 %), die industrielle Verbrennung (19 %) und die Heizanlagen (16 %). In sogenannten Straßencanyons, dicht bebauten Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen und geringer Luftzirkulation, kann der motorisierte Verkehr bis zu 70 % der NO2-Konzentrationen verursachen. Die EU hat im Jahr 2010 für Stickstoffdioxid einen Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) festgelegt. Über 70.000 wissenschaftliche Publikationen belegen inzwischen die gesundheitsschädliche Wirkung von N02 und Feinstaub, insbesondere für Kleinkinder, Lungenvorgeschädigte, Allergiker, Asthmatiker, Kranke und ältere Menschen.

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