Mobilität Südtirol

Schneechaos: Hat die Südtirol-Bahn total versagt?

Während sich alle Diskussionen rund um das Schnee- und Stauchaos-Wochenende entlang der Brennerpass-Transitroute allein um die Brennerautobahn und die dort eingeschlossenen Autofahrer und Autoinsassen drehen, scheint sich in Südtirol niemand für das Durch- und Erlebte zahlreicher Zugreisender zu interessieren.

Der VOX-NEWS-Südtirol-Redaktion liegen einige Berichte von Zugreisenden vor, die von einer regelrechten Irrfahrt sprechen. Festgestellt werden muss auch, dass – obwohl der Zivilschutz für die Eingeschlossenen auf der Brennerautobahn reibungslos funktioniert hat – die Zugreisenden keinerlei Hilfe erhalten haben. Während Autofahrer und Autoinsassen auf der Brennerautobahn mit Decken, Brötchen und warmen Getränken versorgt wurden, blieben die Hilfsleistungen für die Zugreisenden vollständig aus. Ein Totalversagen?

Der Reihe nach: Zwei junge Studentinnen aus Schlanders (die Namen sind der Redaktion bekannt) sind am vergangenen Freitag, 1. Februar gegen 19 Uhr mit dem Zug vom Vinschgauer Hauptort nach Bozen aufgebrochen. Mit dem Zug wollten sie Innsbruck erreichen und von dort ebenfalls mit der Bahn weiter nach Wien fahren. Die zwei Studentinnen haben sich deshalb für die Eisenbahn als Transportmittel entschieden, weil sie dachten und davon ausgingen, dass der Zug sicher ankommt. Denn sonst wären sie mit dem Auto nach Landeck gefahren und von dort mit dem Nachtzug weiter nach Wien gereist. Die Reise endete an diesem ersten Tag bereits gegen 22 Uhr in Gargazon. Mit dem Hinweis, dass der Strom unterbrochen sei mussten alle Fahrgäste des Regionalzuges Meran – Bozen den Personenzug verlassen. Nachdem keiner der in Gargazon gestrandeten Reisenden Hinweise und Informationen über eventuelle Ersatzbusse oder andere Ersatztransportmöglichkeiten (z.B. Taxis) erhielten, kontaktierten die Mädchen ihre Eltern. Der Vater von einem Mädchen fuhr daraufhin bei intensivem Schneefall und rutschiger schneebedeckter MEBO nach Gargazon und brachte die beiden Studentinnen nach Bozen zum Bahnhof. Doch auch in Bozen gab es weder Informationen noch funktionierten die Fahrkartenautomaten um im völlig verwaisten Bahnhof Fahrkarten für eine Weiterfahrt zu besorgen. Festgestellt, dass der Nachtzug von Innsbruck nach Wien nicht mehr erreicht und die reservierungspflichtigen Fahrkarten somit verfallen sind, beschloss der Vater nach Meran zu fahren, dort mit den Mädchen zu übernachten und sie am Folgetag am Samstagmorgen gegen 5 Uhr Früh wieder nach Bozen zu bringen, um von dort nach Innsbruck zu kommen. Um 6.05 Uhr starten die zwei Mädchen endlich mit dem Zug nach Innsbruck. Gegen 8 Uhr Vormittags ereilte dem Vater eines der Mädchen ein erneuter Anruf. “Wir hängen nun in Franzenfeste fest und sollen aussteigen”, sagte die Tochter zu ihrem Vater. Auch in Franzenfeste konnten die Mädchen und alle anderen Mitreisenden keine Informationen über ihre Lage erhalten. “Überhaupt war dort alles sehr unfreundlich”, sagt das Mädchen zu unserer Redaktion. Der Vater besorgt um die zwei Mädchen beschließt erneut die Mädchen abzuholen. Doch das Vorhaben des Vaters scheitert, denn die Brennerautobahn ist mittlerweile gesperrt. Um 11 Uhr schließlich gibt es einen Zug der die Mädchen von Franzenfeste zum Bahnhof Brenner fährt. Das wars aber auch schon. Am Brenner ist die Fahrt erneut vorbei. Alle Passagiere müssen aussteigen und sitzen am Brennerpass fest. Auch hier keine Information, keine wärmenden Getränke, keine Brötchen. “Es war einfach nur kalt”, schildert eines der Mädchen. “Und wir waren der Verzweiflung nahe.” Um 17 Uhr endlich gibt es einen Zug vom Brennerpass nach Innsbruck. Die zwei Studentinnen können endlich nach Innsbruck und von dort weiter nach Wien fahren.

Der Vater beschreibt die Situation gegenüber der VOX-NEWS-Südtirol-Redaktion als haarsträubend. “Ein Sauhaufen”, meint der Vater. Was gar nicht gehen würde, sei der absolute Informationsmangel und auch die Tatsache, dass alle Reisenden auf sich gestellt gewesen wären. Noch nicht einmal der Zivilschutz hätte von den Problemen der Zugreisenden Notiz genommen und sie mit warmen Getränken und Essen versorgen können. Eine Frage für den Vater ist auch jene, wer für die dreifach bezahlten Zugtickets nach Wien aufkommt. Wer vergütet das alles, frägt sich der Vater und kündigt an sich mit der Verbraucherzentrale Südtirol in Verbindung zu setzen, um abzuklären, ob und wie die Bahnverwaltung in Südtirol für ihre schlechte Organisation zur Verantwortung gezogen werden kann.

In Franzensfeste war am Samstagvormittag, 2. Februar für viele Zugreisende Endstation (Foto: Hannes Sigmund)
Bis zu 80 Minuten Verspätung hatten Regionalzüge noch am Samstagnachmittag am Bozner Bahnhof. Die Informationspolitik der Fahrdienstverantwortlichen ist völlig unzureichend.
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Bildquellenangabe:
Galeriebilder: Südtirol-Züge im Schnee – Hannes Sigmund, Anzeigetafel – VOX NEWS Südtirol

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