Gesellschaft Südtirol

Sorgenfreier Lebensabend: in Südtirol eine Utopie?

Glückliche Rentenjahre? Wer an seinen Lebensabend denkt, sieht sich sicher gerne unbeschwert und glücklich… jeder Tag ist neu und und ein Geschenk und zaubert ein Lächeln auf das faltenschöne Gesicht. Leider ist oftmals nur der Wunsch der Vater dieses Gedankens. Viele Südtiroler/innen müssen mit einer Rente auskommen, die jede Unbeschwertheit in weite Ferne rückt.

Glücklich schätzen kann sich eine Rentnerin, ein Rentner in Südtirol bereits, wenn sie, er – Heinzelmännchen – immer brav gearbeitet und ebenso brav Beiträge gezahlt hat. Dann steht ihr oder ihm nämlich eine Mindestpension von ganzen 549 Euro monatlich zu – vorausgesetzt, sie oder er war vor dem 1. Jänner 1996 versichert. Für alle im beitragsorientierten System Versicherten fällt die Mindestrente sowieso flach.

“Ich bekomme eine Pension von 510 Euro”, erzählt Maria aus Lana, Jahrgang 1944. “Gottseidank hat mich mein Ex-Mann die ganzen Jahre am Bauernhof als landwirtschaftliche Gehilfin angemeldet, und ich habe meine kleine Wohnung.” Und sie erzählt weiter: “Vor ein paar Jahren habe ich dann beim Sprengel angesucht um einen Spesenbeitrag von 170 Euro, aber der wurde mir erst nach einigen Absagen und Aufschiebungen gewährt, und auch dann nur ungern, so war halt mein Eindruck. Ich habe gottseidank meinen Sohn, der mir immer wieder aushilft, zum Beispiel jetzt, da mein Kühlschrank kaputt ist, er kauft mir einen neuen, ich wüsste ohne ihn nicht, was tun.” So sieht die Situation bei vielen Südtiroler Pensionisten im Augenblick wirklich aus.

Ohne meinen Sohn wüsste ich nicht, was tun.”Maria aus Lana, 75 Jahre alt

Wagen wir nochmals einen verstohlenen Blick in die österreichische Nachbarschaft, sehen wir dort den 1. Jänner 2020 nahen, mit welchem die Mindestpensionen für Menschen mit 40 Beitragsjahren von 995 auf 1.200 netto angehoben werden. Genau genommen handelt es sich um einen “Pensionsbonus“. Mit 30 Versicherungsjahren haben die österreichischen Rentner 1.025 Euro sicher. Angerechnet werden zudem fünf Jahre Kindererziehung und ein Jahr Präsenz- bzw. Zivildienst. Rechnen wir die Auszahlung des 13. Und 14. Monats hinzu, sind die Mindestrenten sogar noch höher. Geringverdiener mit mindestens 15 Beitragsjahren kommen durch eine Ausgleichszahlung in jedem Fall auf einen monatlichen Mindestbetrag von 933,06 Euro.

Dass dies “auf die alten Tage” für eine gewisse Ruhe und Zufriedenheit sorgt, dürfte klar sein. Dass wir auch unserer älteren Generation in Südtirol diese finanzielle Sorglosigkeit wünschen, hoffentlich auch – hat doch der alternde Mensch genug andere Sorgen, zum Beispiel einen Körper, der ihn nach und nach im Stich lässt, zum Beispiel Einsamkeit, weil man nicht mehr integriert ist oder wird, zum Beispiel das bittere Gefühl, mit jedem Jahr mehr an Selbständigkeit einbüßen zu müssen. Kommen dann noch Überlebensängste hinzu, ist auch noch das letzte bisschen Lebensfreude tot. Mausetot.

Öffentlich sollte man sich nie äußernEin Befragter

VOX NEWS Südtirol hat sich zum Thema “finanzielle Sicherheit im Alter, Mindestrente und Ruhestand, der gar keiner ist” in der Bevölkerung umgehört. Das Ergebnis ist erschreckend und macht wütend: Der Großteil der Befragten hat Angst – Angst davor, überhaupt etwas zu sagen.

Eingeschüchtert, gedemütigt, mundtot wird abgewunken und aus den Augen spricht Resignation.

Hier einige der Äußerungen: “Ich gebe selten Kommentare ab, öffentlich sollte man sich nie äußern.” “Ich sage lieber nichts dazu, du bekommst nur Schwierigkeiten, wenn du etwas sagst.” “Wir können da eh nix tun.” “In der Politik läuft alles schief und wir Bürger, besonders die fleißigen, sind benachteiligt.” “Ich habe immer gearbeitet und bin immer ausgekommen mit dem, was ich verdient habe, ich habe eine tolle erwachsene Tochter, aber das ging alles nur, weil wir die Klappe halten und uns selbständig durchgebracht haben. Was später wird, weiß ich nicht.” Andere wiederum vermeiden es, sich überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen – weil ihnen ihre Zukunftsaussichten unklar und beängstigend erscheinen.

SVP hat nicht einen Schritt in die Richtung einer Erhöhung der Mindestrenten getan

Indes hat VOX NEWS Südtirol versucht, Landesrat und SVP-Obmann Philipp Achammer und Sozial-Landesrätin Waltraud Deeg zu einer Stellungnahme zu veranlassen. Weil die Mindestrente in Südtirol schon seit Jahren Inhalt des SVP-Wahlprogramms ist, dementsprechend aber nicht ein Schritt in diese Richtung getan wurde, wollten wir wissen, ob wenigstens in dem einen oder anderen Geiste ein Süppchen kocht, zum Thema Mindestrente in Südtirol. Bis heute haben wir keine Antwort erhalten.

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